Wichtige Aspekte der Unternehmenskultur in China
Dezember 21, 2022
Wichtige Aspekte der Unternehmenskultur in China

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Bei der Gründung eines Unternehmens in China ist es mindestens ebenso wichtig, die Arbeitskultur und die dortigen Verhaltensweisen zu verstehen wie die erforderlichen rechtlichen Schritte zur Gründung eines Unternehmens. Obgleich es einige Gemeinsamkeiten zwischen der westlichen und der chinesischen Arbeitskultur gibt, so gibt es auch viele Unterschiede. Mit diesen sollte man sich auseinandersetzen, um Missverständnisse mit chinesischen Geschäftspartnern oder Kollegen zu vermeiden.

Im Folgenden finden Sie die 8 wichtigsten Aspekte, die Sie über die chinesische Unternehmenskultur wissen sollten.

Unterschiede zwischen westlicher und chinesischer Unternehmenskultur

1. Funktionen und Verantwortlichkeiten

Im westlichen Arbeitsumfeld sind die Aufgaben und Zuständigkeiten der Mitarbeiter klar definiert. In chinesischen Betrieben ist dies meist nicht der Fall, da die Aufgaben oft über die eigentliche Stellenbeschreibung hinausgehen und auch kurzfristig durch Anweisungen des Managements festgelegt werden.

Unklarheiten in Bezug auf die Aufgaben und Zuständigkeiten der Mitarbeiter werden in einem gewissen Maße geduldet, da in Unternehmen die Auffassung vorherrscht, dass alle am Erreichen der gemeinsamen Sache zusammenarbeiten. Daher wird erwartet, dass sich jeder bemüht, alle notwendigen Aufgaben zu erfüllen, unabhängig davon, ob sie zu seinem Fachwissen oder Arbeitsbereich gehören.

2. Arbeitszeiten

Obwohl Überstunden in China nicht vorgeschrieben sind, wollen sich viele Arbeitnehmer von der Masse abheben und unter ihren Kollegen als besonders engagiert angesehen werden. Daher ist es üblich, dass Arbeitnehmer unbezahlte Überstunden machen, um ihr Engagement zum Ausdruck zu bringen.

Die Kultur der langen Arbeitszeiten war früher besonders in der IT-Branche in China weit verbreitet, wobei der Begriff „9-9-6“ für die geplante Arbeitszeit zwischen 9 und 21 Uhr an sechs Tagen pro Woche stand. Arbeitnehmer sollten schon damals nach chinesischem Arbeitsrecht nicht länger als 8 Stunden am Tag ohne Überstundenausgleich arbeiten. „9-9-6“ stand also nicht im Einklang mit den Vorschriften und beeinträchtigte zudem das Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Im August 2021 erklärte die chinesische Regierung „9-9-6“ Arbeitszeiten offiziell für rechtswidrig und schützte damit das Recht der Beschäftigten auf Erholung.

3. Pünktlichkeit

Im westlichen Arbeitsumfeld wird Unpünktlichkeit toleriert, solange sie nicht zur Gewohnheit wird. Viele Unternehmen sind in dieser Hinsicht recht flexibel. In China ist Pünktlichkeit ein Zeichen für das persönliche Engagement im Job. Manche Unternehmen ziehen bei Verspätungen sogar einen kleinen Betrag des Gehalts ab.

4. Urlaub

Im Gegensatz zu den Feiertagen in den meisten Ländern, die jeweils auf ein fixes Datum fallen, verteilen sich die chinesischen Feiertage auf verschiedene Termine im Jahr und richten sich nach dem chinesischen Mondkalender.

Die meisten Menschen verbringen die Feiertage bei ihren Familien in der Heimat oder unternehmen Urlaubsreisen. Es wird empfohlen, chinesische Kollegen und Kunden während der Feiertage nicht zu stören, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Am besten plant man Termine und Geschäftsreisen so, dass sie sich nicht mit den Feiertagen überschneiden.

An einigen Feiertagen wie dem chinesischen Neujahrsfest oder dem als Goldene Woche bezeichneten Nationalfeiertag müssen die Arbeitnehmer zusätzliche freie Tage nacharbeiten, was in der Regel am Wochenende zu leisten ist.

5. Hierarchieverständnis

In westlichen Kulturen ist es üblich, Fragen zu stellen, wenn man mit Unsicherheiten und Herausforderungen konfrontiert wird. Von den Mitarbeitern wird erwartet, dass sie die Initiative ergreifen und Fragen stellen. Dies zeigt, dass sie versuchen, ein bestimmtes Thema besser zu verstehen. Außerdem sind auch herausfordernde Fragen erwünscht, solange sie nicht respektlos gegenüber anderen wirken.

Im Gegensatz dazu wird in China aufgrund des hierarchischen Charakters im Arbeitsumfeld von den Mitarbeitern erwartet, dass sie Anweisungen befolgen und ihre Vorgesetzten nicht in Frage stellen. Das Konzept des „Gesichtswahrens“ wird dabei streng befolgt, was offene Diskussionen, in denen die Mitarbeiter ihre Ideen und Meinungen äußern können, meist unmöglich macht. Meistens sind die von einem Manager oder Chef getroffenen Entscheidungen endgültig.

 

6. Beziehungen und das Prinzip von Guanxi (关系)

Die Unternehmenskultur in China stellt die Bedeutung des persönlichen Vertrauens und des Aufbaus enger Beziehungen in den Vordergrund, die als Guanxi (关系) bezeichnet werden. In einer Geschäftsbeziehung bietet ein Geschäftspartner freiwillig einen Gefallen an, in der Erwartung, dass man sich später revanchiert. Diese Kultur der Gegenseitigkeit ist mit dem Konzept des Guanxi verknüpft, das für tiefe und dauerhafte Beziehungen steht.

Guanxi kann als Netzwerk oder Beziehungen bezeichnet werden, die zur Entwicklung von Geschäftsmöglichkeiten und -abschlüssen genutzt werden können. Guanxi spielt eine große Rolle bei geschäftlichen Interaktionen in China und ist oft ein notwendiges Element, um Gelegenheiten zu erzielen, die sich sonst nicht ergeben hätten.

7. Wie laufen Meetings in China ab?

In der chinesischen Unternehmenskultur wird erwartet, dass man beim Eintreffen beispielsweise zu einer Besprechung jede Person im Raum begrüßt, unabhängig davon, wie viele Personen anwesend sind. Außerdem sind die Teilnehmer daran gewöhnt, vor einer Besprechung ein paar Minuten Smalltalk zu halten.

Aus chinesischer Sicht dienen Verhandlungen dem Aufbau von Vertrauen und Harmonie zwischen den beteiligten Parteien. Wie bereits erwähnt, machen Beziehungen einen großen Teil der Geschäftswelt aus. Während eines Meetings ist es üblich, dass die Parteien ausführliche Informationen über ihre Unternehmen und den Kontext der Verhandlungen geben. In der Regel werden die abschließenden Vereinbarungen in zwangloser Atmosphäre, z. B. in Bars oder Restaurants, und nicht in formellen Geschäftssitzungen getroffen. Dieser zwischenmenschliche Stil wird formellen Vertragsverhandlungen vorgezogen.

Statt kurzfristige Verhandlungen und Geschäfte effizient abzuwickeln, bevorzugen die Chinesen einen ständigen Austausch, um langfristige Beziehungen zu pflegen.

8. Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften

Chinesische Unternehmen arbeiten nach einem streng hierarchischen System. Es besteht meist aus vielen Führungsebenen, und Seniorität spielt im Arbeitskontext eine große Rolle.

Im Umgang mit Vorgesetzten, halten sich Mitarbeiter an äußerst förmliche Verhaltensweisen. So sprechen die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten meist förmlich an unabhängig davon, ob Geschäftspartner dabei sind oder es sich um ein 4-Augen-Gspräch handelt.

Chinesische Angestellte sprechen, um Respekt zu zeigen, in der Regel nicht bevor ihr Vorgesetzter spricht. Es ist üblich, um Erlaubnis zu bitten, wenn sie zuerst sprechen möchten. Bei einem Treffen mit einer Wirtschaftsdelegation wendet sich der Delegationsführer des chinesischen Teams in der Regel zuerst an den Vorgesetzten der anderen Partei, bevor er sich dem Rest des Teams vorstellt.

Chinesischer Business-Knigge

Visitenkarten überreichen und entgegennehmen

Visitenkarten werden bei Veranstaltungen oft ausgetauscht. Die Art und Weise, wie Sie eine Visitenkarte entgegennehmen, zeigt das Maß an Respekt, das Sie der anderen Partei entgegenbringen. In China wird die Visitenkarte entweder mit beiden Händen oder nur mit der rechten Hand entgegengenommen. Als Zeichen des Respekts ist es üblich, die Karte nicht sofort wegzulegen. Stattdessen sollten Sie als Empfänger die Visitenkarte genau lesen und sie dann vor sich auf den Tisch legen, bis alle Teilnehmer des Meetings Platz genommen haben.

Wenn Sie Ihre Visitenkarte überreichen, sollten Sie dies ebenfalls entweder mit beiden Händen oder nur mit der rechten Hand tun. Achten Sie darauf, dass die Vorderseite der Karte zu Ihrem Gesprächspartner zeigt.

Betreten der Besprechung nach Hierarchie

In China betreten die Teilnehmer eine Besprechung entsprechend ihrer Position im Unternehmen. Die in der Hierarchie am höchsten stehende Person tritt zuerst ein, gefolgt von der in der Rangfolge nächsthöheren Person. Das gleiche Prinzip gilt für die Vorstellung der Teilnehmer.

Geschenke überreichen

Die Chinesen schenken ihren Geschäftspartnern gerne kleine Aufmerksamkeiten, um ihre Dankbarkeit und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.

Denken Sie beim Verschenken daran, dass es sich um eine professionelle Geste handelt. Persönliche Geschenke sollten also vermieden werden. Verzichten Sie auch auf Geschenke, die falsch interpretiert werden können, damit der Empfänger nicht sein Gesicht verliert. Teure Geschenke an Geschäftspartner können als Bestechung aufgefasst und abgelehnt werden.

Dos und Don’ts im chinesischen Geschäftsumfeld

Dos

  • Wenn es um die schriftliche Koordination von Terminen geht, empfiehlt es sich den Monat auszuschreiben. Wenn Sie ein Datum im Zahlenformat angeben müssen sollten Sie die Reigenfolge Jahr-Monat-Tag wählen.
  • Nicken Sie, wenn Sie jemandem zuhören. Das signalisiert Ihrem Gegenüber, dass Sie ihm zuhören und verstehen, was er sagt.
  • Sprechen Sie Ihre Gesprächspartner bei offiziellen Geschäftstreffen förmlich an, wenn Sie einen guten Eindruck hinterlassen wollen.
  • Besonders wenn Ihre Gastgeber Sie zum Abendessen oder Mittagessen einladen, sollten Sie Ihre Wertschätzung für das Essen zum Ausdruck bringen.
  • Beginnen Sie mit Smalltalk, um bei Gesprächen mit einem Vorgesetzten oder einem Mitarbeiter Unbehagen zu vermeiden. Dabei können Sie über Ihre Familie, Ihre Geburtsstadt oder andere Themen sprechen, die eine positive Atmosphäre schaffen.

Don‘ts

  • Verwenden Sie keine rote Tinte beim Schreiben oder Unterschreiben von Geschäftsdokumenten.
  • Lehnen Sie Angebote von anderen chinesischen Unternehmen oder Personen nicht direkt ab. In der chinesischen Kultur wird eine Ablehnung als Ablehnung der Person und nicht der Idee interpretiert.
  • Vermeiden Sie offene Kritik. Sie sollte nach und nach erörtert werden, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Wenn Sie mit einem Angebot nicht einverstanden sind, sollten Sie nicht direkt negativ reagieren. Um Missverständnisse zu vermeiden und das Gesprächsklima positiv zu halten, sollte präzise auf die Wortwahl geachtet werden, die jeden sein Gesicht wahren lässt.
  • Vermeiden Sie es, über Tabuthemen wie Politik oder aktuelle Themen zu sprechen.

Viele Kulturen teilen ähnliche Werte und Vorstellungen von professioneller Umgangsform am Arbeitsplatz. Die Unternehmenskultur in China ist jedoch äußerst vielschichtig. Für den Erfolg der Geschäftstätigkeit in China ist es sehr wichtig, die gängigen Praktiken, die üblichen Verhaltensweisen und die Besonderheiten von hierarchischen Beziehungen zu verstehen.

Moore – MS Advisory unterstützt seit über 10 Jahren zahlreiche Kunden in den Bereichen Buchhaltung, Finanzberatung und Unternehmensregistrierung in China. Wir sind bestrebt, ausländischen KMU dabei zu unterstützen, die regulatorischen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit in China zu bewältigen. Nehmen Sie jederzeit Kontakt mit uns auf, um mehr über unsere Dienstleistungen zu erfahren und wie wir Ihnen bei der Optimierung Ihrer Geschäftstätigkeit in China helfen können.

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